Geschichte

Das Rittergut Britz wurde erstmals 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. urkundlich erwähnt. Bis Ende des 17. Jahrhunderts blieb es in Besitz der Ritterfamilie von Britzke. Personell und finanziell geschwächt musste die Ritterfamilie ihr Gut dann an die Brandenburgische Krone verkaufen. Diese vergab das Rittergut zuerst als Lehen an hohe Hofbeamte. 1699 gelangte Britz in den Besitz von Samuel von Chwalkowski, Amtskammerpräsident der brandenburgisch-preußischen Domäneverwaltung. Er ließ das alte Fachwerkgebäude durch ein neunachsiges, 2-geschossiges Steingebäude im spätbaroken Stil ersetzen. Sigismund von Erlach übernahm 1705 das Gut, ließ den Gutspark anlegen und mit Statuen, Goldfischteichen und einer Orangerie bestücken. Der folgende Besitzer, Heinrich Rüdiger von Ilgen, pflanzte im Gutspark 1719 die erste Robinie (oder Pseudo-Akazie) in Norddeutschland. Im selben Jahr wurde das Rittergut auch zu einem sogenannten Allodialgut, was für die Inhaber volle Eigentums- und Erbrechte bedeutete, die Urform des später so bekannt gewordenen Junkertums. Unter Ewald Friedrich Graf von Hertzberg entwickelte sich Britz ab 1754 zum Mustergut. Er führte den Seidenbau in Britz ein und setzte eine mustergültige Landwirtschaft nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen um. Das Herrenhaus ließ er um 1770 ausbauen und im Inneren durch den Berliner Historienmaler und Direktor der Akademie der Künste Christian Bernhardt Rode ein Bildprogramm verwirklichen, in dem ein altrömisches Ideal gefeiert wurde: des agrarisch tätigen Politikers. Ab 1822 erlebte das Anwesen eine neue Blütezeit unter dem ersten bürgerlichen Gutsbesitzer Carl Jouanne. Er errichtete sämtliche Wirtschaftsgebäude des Gutshofes nebst dampfbetriebener Spritfabrik neu, baute gartenseitig das Dachgeschoss des Herrenhauses aus und überformte den Eingangs- (s. Abb.) und Innenbereich. Die Raumdekore der Hertzbergzeit gingen bereits dadurch größtenteils verloren. 1865 erwarb der Zuckerproduzent und Spritfabrikant Wilhelm Julius Wrede das Gut und ließ das Gebäude 1880 innen und außen im Stil der Neorenaissance von dem Architekten und Denkmalpfleger Carl Busse historistisch überformen und zu einem "Schloss" verwandeln. 1920 wurde Britz nach Groß-Berlin in den neuen Stadtbezirk Neukölln eingemeindet. 1924 verkauften die Wredeschen Erben das Gut an die Stadt Berlin. Bis 1945 wurden die Räume des Herrenhauses an Privatpersonen vermietet, der Park zur öffentlichen Grünanlage und der Gutshof zu einem Berliner Stadtgut, das noch bis 1957 bestand. Von 1945-53 diente das Haus als Flüchtlingsheim und wurde danach vom Bezirksamt Neukölln bis Anfang der 1980er Jahre als Kinderheim genutzt. Danach wurde das Herrenhaus in nur drei Jahren (von 1985 bis 1988) vorbildlich restauriert und mit hervorragenden, sorgfältig ausgesuchten Möbeln und Gemälden aus der Gründerzeit ausgestattet und ab 1989 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seitdem wird das kulturelle Programm durch die Kulturstiftung Schloss Britz gewährleistet.