Ausstellung | Karl Menzen – Versuch einer Retrospektive

Am 19. November 2020 ist der Berliner Künstler Karl Menzen im Alter von 70 Jahren unerwartet verstorben. Die Öffentlichkeit hat von diesem Tod wenig Notiz genommen. Dabei hatte sich der Stahlbildhauer mit seinen Werken im öffentlichen Raum und mit freien Skulpturen einen guten Namen in der Berliner Kunstlandschaft gemacht.

Karl Menzen hat in vier Jahrzehnten ein umfangreiches Oeuvre geschaffen, das an vielen Orten im öffentlichen Raum zu entdecken ist. Daneben ist eine Vielzahl an Skulpturen und Zeichnungen entstanden, die sich in verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlungen befinden. Den Nachlass von Karl Menzen erstmals zu erschließen und seine Kunst der breiten Öffentlichkeit im Überblick zu präsentieren, ist die Intention eines groß angelegten Ausstellungsprojektes: Im Frühsommer 2021 widmen sich gleich drei Institutionen dem Werk Karl Menzens: Die Kulturstiftung Schloss Britz zeigt ab dem 5. Juni 2021 in der Sonderausstellungsfläche des Herrenhauses und im Schlosspark Werke aus allen Schaffensperioden des Metallbildhauers. Diese Ausstellung ist der erste Versuch einer Retrospektive, die vor allem auf den reichen Nachlass und einige wichtige Leihgaben aus Privatbesitz zurückgreift. Bisher zu wenig bekannt geworden sind die freien Zeichnungen und Entwürfe für Skulpturen, die in dieser Ausstellung einen breiteren Raum einnehmen und die Entstehung einzelner Objekte von der Idee bis zur Ausführung nachvollziehbar werden lassen.

Daneben eröffnet das in Kloster Lehnin ansässige Institut für Kunst und Kultur baldmöglichst die letzte noch von Karl Menzen selbst aufgebaute Gruppenausstellung „Dreiklang“ (zusammen mit Jochen Bentrup und Volker Henze). Und schließlich nähern sich im Kunstverein Neukölln schon seit dem 30. April die Mitglieder der Künstlergruppe META – internationaler Kunstaustausch e.V. mit der Ausstellung „Kaleidoskop. Hommage an Karl Menzen“ auf sehr persönliche Art und Weise dem Werk und der Person ihres verstorbenen Künstlerkollegen.

Zum Werk von Karl Menzen

In den frühen siebziger Jahren zog es den 1950 in Rheinland-Pfalz geborenen Karl Menzen zum Studium der Werkstoffwissenschaften nach Berlin. Sein Interesse an der Beschaffenheit von Metallen führte den vielfältig kulturell interessierten Naturwissenschaftler aber schließlich zur Kunst, wo er zu einer eigenständigen Formensprache fand. Die künstlerische Ausbildung erfolgte beim Bildhauer Volkmar Haase (1930 – 2012), mit dem ihn eine jahrzehntelange Zusammenarbeit und ein intensiver Austausch verband. Ab 1986 bis zu seinem Tod im November 2020 war Karl Menzen als freischaffender Bildhauer in Berlin tätig.

Künstlerisch beschäftigte er sich anfangs mit so unterschiedlichen Materialien wie Holz, Metall und Stein, konzentrierte sich später jedoch – bedingt durch den Umzug seines Ateliers nach Berlin-Neukölln – auf die Verwendung von Stahl in unterschiedlichen Legierungen. Bei der Umsetzung seiner fließenden, oft tänzerisch wirkenden Großskulpturen kam ihm die genaue Kenntnis der physikalischen Beschaffenheit des verwendeten Materials zu Gute. Es entstanden großformatige Skulpturen zur Aufstellung im öffentlichen Raum und als bauplastischer Schmuck sowie Beiträge im Rahmen von Symposien und Wettbewerben. Häufig sind die einmal gefundenen Kompositionen in unterschiedlichen Größen und zum Teil auch in verschiedenen Legierungen ausgeführt worden.

Karl Menzen arbeitete weitgehend ungegenständlich bzw. konkret. Entsprechend ist sein Werk durch formale ästhetische Parameter bestimmt. Figürliche Skulpturen im eigentlichen Sinne gibt es nicht, obwohl einige Werke durchaus ein menschliches Maß haben oder an Bewegungsabläufe erinnern.

Menzens künstlerisches Schaffen lässt sich in verschiedene Gruppen gliedern, die sich primär durch die Behandlung des Werkstoffes ergeben. Je nach Material und künstlerischer Intention entwickelten sich neue Fragestellungen. So nutzte er in einer frühen Werkphase industriell gefertigte Röhren von einheitlichem Durchmesser, die bei der Bearbeitung eine Konstante hinsichtlich des Radius und der Krümmung beibehielten und dennoch eine erstaunliche gestalterische Vielfalt ermöglichten. Insbesondere in hochpoliertem Edelstahl entstanden voluminöse Körper, die häufig fließende Bewegungen und Krümmungen aufweisen und sich meist wie aus einer geometrischen Grundform ergebende Schnitte und Drehungen artikulieren. Die Werkgruppe der Transformationen begnügt sich hingegen mit der Verarbeitung von Stahlblechen, also unterschiedlich mächtigen Metallplatten, die mit Schnitten versehen und in sich verformt wurden. Auch hier war es das künstlerische Ziel, verschiedenartige Ausdrucksmöglichkeiten zu ergründen und komplexe dreidimensionale Strukturen zu bilden, die sich gleichwohl immer auf eine schlichte Grundform zurückführen ließen. Bis zuletzt hat Karl Menzen seine Formensprache immer wieder variiert und erweitert. In den letzten Jahren sind fragil wirkende Skulpturen im Sinne von Raumzeichnungen und Experimente mit Rasterstrukturen entstanden.

Ausstellungen mit Arbeiten von Karl Menzen gab es u. a. zu sehen in: Amstelveen, Ahrweiler, Bad Belzig, Bad Homburg vor der Höhe, Berlin, Bissee, Brandenburg, Budapest, Büdelsdorf, Chemnitz, Dresden, Frankfurt/M., Gardur, Gelnhausen, Barockgarten Großsedlitz, Hamburg, Keitum/Sylt, Kiel, Lehnin, Mailand, Malmö, Mantua, Meißen, Nossen, Pisa, Potsdam, Radebeul, Reichenbach, San Sepolcro, Stade, Vilnius, Waldshut, Wien, Wiesenburg, Yalova, Zwickau.

Plastiken von Karl Menzen im öffentlichen Raum finden sich u. a. an verschiedenen Orten in Berlin, in Salzgitter, Radebeul, Gröditz (Sachsen), auf dem Kunstwanderweg Hoher Fläming und im Skulpturenpark Schloss Gottorf (Schleswig-Holstein).

Laufzeit: 5. Juni – 1. August 2021

Zeit:

05. Juni 2021, 12:00–01. August 2021, 18:00 Uhr

Ort:

Schloss Britz
Alt-Britz 73
12359 Berlin