Ausstellung: Christian Bernhard Rode - Radierungen

Christian Bernhard Rode (1725-1797)

Der Historienmaler und Radierer war Mitglied einer weitverzweigten Berliner Künstlerfamilie. Sein gleichnamiger Vater war Goldschmied, sein Onkel Johann Heinrich Bildhauer, sein zwei Jahre jüngerer Bruder Johann Heinrich Graphiker und sein jüngster Bruder Christian Philipp Kunsttöpfer und Fabrikant von Figurenöfen.

Rode trat 1741 in die Werkstatt des preußischen Hofmalers Antoine Pesne (1683-1757) ein. Gemeinsam mit dem befreundeten Landschaftsmaler Adolf Friedrich Harper reiste er 1748/49 nach Paris sowie später über Dresden und Wien nach Venedig und Rom. Besonders das Studium der Werke des venezianischen Cinquecento, v.a. Tintorettos und Paolo Veroneses, hat Rodes künstlerische Entwicklung nachhaltig beeinflußt. Kurz nach seiner Rückkehr nach Berlin 1754 wurde er Mitglied und – von Friedrich dem Großen hoch geschätzt – 1783 Direktor der Akademie der Künste.

Rode gilt nicht nur als produktivster Maler der spätfriderizianischen Ära, sondern war auch eine markante Figur der Berliner Aufklärung, mit deren Hauptvertretern (Gotthold Ephraim Lessing, Moses Mendelssohn, Friedrich Nicolai, Johann Georg Sulzer u.a.) er zeitweise eng befreundet war. In diesem Kreis verkehrte er auch mit Ewald Friedrich von Hertzberg, der ihm 1771 mit der Ausschmückung seines Herrenhauses in Britz einen ausgesprochen hochrangigen Auftrag erteilte.

Zusammen mit dem Schriftsteller Karl Wilhelm Ramler (1725-98) konzipierte Rode patriotische Historienbilder sowie Moral- und Sittenstücke – neue Bildgattungen, in denen mittels vorgeführter „Tugendexempel“ staatspädagogische Ziele verfolgt wurden.

Bereits zu Lebzeiten war Rode für seine Bildthemen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte bekannt. Während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) arbeitete er im Auftrag des Prinzen August Wilhelm an der sog. Brandenburgiana, einer Folge von 14 Gemälden, die sich an einem Historienwerk Friedrichs des Großen anlehnen. Nach dem Tod des Königs 1786 entstand eine weitere Serie, die Fridericiana, eine Anekdotenfolge aus der Zeit des Siebenjährigen Kriegs, in der Rode das noch heute gültige Bild Friedrichs als furchtlosen, gewitzten und bescheidenen König prägte.

Bemerkenswert sind die Radierungen nach Werken des deutschpolnischen Bildhauers Andreas Schlüter (1660-1714). Er trug damit nicht nur zur frühen Wiederentdeckung des bedeutendsten Künstlers des Berliner Hochbarock bei, sondern dokumentierte auch etliche heute verlorene Werke. Zudem illustrierte der vielseitige zahlreiche Bücher, malte Paläste der preußischen Königsfamilie, Stadt- und Landpalais hochstehender Hofbeamter oder die Tierarzneischule bei der Charité und den Saal des Kammergerichts im ehemaligen Collegienhaus aus. Er entwarf Architekturschmuck, u.a. für das Brandenburger Tor, Gefäße und Figurenöfen für die Fabrik seines Bruders Christian Philipp.

Rodes OEuvre ist nahezu unüberschaubar, seine ungeheure Produktivität und oft flüchtige Malweise brachten ihn bei nachfolgenden Generationen in Misskredit. Schadow nannte ihn einen „Fixmaler“, Fontane gar einen „Meister im Verzeichnen“. Heute sieht man Rodes Kunst als Ausdruck einer von Diderot geprägten Auffassung vom idealen Kunstwerk als kompositionell klar und originell angelegt, historisch und in der Widergabe von Emotionen wahrhaftig. Unbestritten sind seine Verdienste um die in Preußen bis dahin unterentwickelte Historienmalerei.