Gutshof

Mit der Errichtung einer dampfbetriebenen Brennerei zur Herstellung von Sprit folgte Johann Carl Jouanne Anfang des 19. Jhdts. einer weit verbreiteten Tendenz der Industrialisierung alter Gutsanlagen, deren landwirtschaftliche Erträge nach der Separation der Dorfländereien von 1819 allein nicht mehr ausreichten. Er ließ einen Teil der unter Graf von Hertzberg seitlich begrenzten, als Fachwerkbau errichteten Stallanlage verkürzen und neue Wirtschaftsgebäude anbauen.

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Charakteristische Stilelemente der Schinkel-Schule sind hier die preußischen Kappendecken, Terrakottazierelemente, Zackenziegelsteingesimse, Satteldächer und die typische Bauweise in unverputzten Handstrichziegeln.

Die Schmiede mit Uhrenturm, das Verwalterhaus sowie der Ochsenstall wurden im italienischen ländlichen Villenstil in der für die Schinkel-Schule typischen unverputzten Ziegelbauweise zwischen 1840 und 1860 errichtet.

Weitere Um- und Neubauten unternahm der letzte private Schlossbesitzer, der Spritfabrikant Wilhelm August Julius Wrede, nach 1880. Der letzte Neubau, ein grosser Kuhstall mit neuem Giebel, ersetzte den alten Fachwerkstall, der um 23 Meter zurückverlegt wurde. Dieses neue Gebäude mit dem Schweizer Haus setzte einen freundlichen Akzent in die eher strenge, aber wohlproportionierte Backsteinarchitektur der Gutshofbauten der 1840er Jahre. 1924 verkaufte die Familie Wrede das Gut an die Stadt Berlin. Es folgten weitere Umbauten, 1943 wurde das Stadtgut Britz durch mehrere Bombentreffer schwer beschädigt. Der Wiederaufbau der teilweise zerstörten Gebäude des Gutshofes erfolgte ab 1947.

Die Kulturstiftung Schloss Britz betreibt in Zusammenarbeit mit der U.S.E. seit 2007 eine robuste Tierhaltung mit historischen Nutztierrassen, um den schon fast verloren gegangenen ländlichen Charakter des Gutes wieder herzustellen. Kindergruppen sind willkommene Gäste und können im Rahmen pädagogischer Führungen Hintergründe und Fachwissen über die Tierhaltung erfahren.

Das Verwalterhaus wird seit 2008 von der Musikschule Paul-Hindemith-Neukölln genutzt und hat hier auf dem Gutshof einen Schwerpunkt frühkindlicher musikalischer Förderung.

Der historische Pferdestall beherbergt heute über zwei Etagen das Museum Neukölln und bietet einen umfangreichen Geschichtsspeicher, die Dauerausstellung 99 X Neukölln und wechselnde Sonderausstellungen.

Der ehemalige Kuhstall wurde von 2010-2011 zu dem heutigen Kulturstall umgebaut und bietet mit einer hervorragenden Akkustik die besten Vorraussetzungen für klassische Konzerte. Auch die in Verlängerung zum Kulturstall errichtete Freilichtbühne wird vor allem in den Sommermonaten für Konzertveranstaltungen genutzt.

Im sogenannten Schweizer Haus hat sich unter dem Namen "Buchholz - Gutshof Britz" ein neues Restaurant etabliert.

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